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Kindertarif für Senioren?

Mit seiner Forderung nach BILLIGEREN EINZELFAHRSCHEINEN lenkt der Fürther Seniorenrat den Blick auf Menschen, die finanziell knapp sind und den ÖPNV selten nutzen. Stadt und infra reagieren verhalten.

VON BIRGIT HEIDINGSFELDER FÜRTH – Nach der Entscheidung des Stadtrats für ein 365-Euro-Jahresticket ab 2023 erneuert der Seniorenrat seine Forderung nach kostengünstigen Einzelfahrscheinen. Das Gremium begrüßt zwar den jüngsten Beschluss und auch das geplante Sozialticket für Fürth-Pass-Inhaber. Aber es vermisst ein attraktives Angebot für Wenigfahrer mit kleiner Rente.

Sie hätten keine Möglichkeit, so die Kritik in einem Schreiben an Oberbürgermeister Thomas Jung und die hiesigen Landtagsabgeordneten, „mit billigeren Einzeltickets oder Tagestickets am gesellschaftlichen Leben in unserer Stadt teilnehmen zu können“. Die Aktion „Fahrschein gegen Führerschein“ habe viele Ältere animiert, aufs Auto zu verzichten. Nun bräuchten sie Bus und Bahn.

Doch gebe es immer wieder Klagen über die Preise für Einzelfahrten. Aktuell kostet die Einzelfahrt in Tarifstufe B (Fürth, Stein, Oberasbach, Zirndorf) 2,60 Euro (online: 2,25 Euro), die Kurzstrecke 1,70 Euro.

Wer aber in einem der Stadtteile ohne umfassende Nahversorgung lebe, sagt Seniorenratsvorsitzende Inge Hartosch, etwa von Atzenhof zu Edeka in Stadeln müsse, schaffe das nicht mit dem Kurzstreckentarif. Hin und zurück fallen über fünf Euro an.

Zu viel für „den großen Kreis an Menschen über der Grundsicherung, die sich nur das Notwendigste leisten können“, findet Hartosch. „Diesen Leuten tut das sehr weh“, bestätigt Fürths Seniorenbeauftragte Christiane Schmidt. Auch sie hält billigere Einzeltickets für nötig. Auf Nachfrage sagte Hartosch, was ihr für die ältere Generation vorschwebt: der Kindertarif. In Tarifstufe B zahlt ein Kind 1,30 Euro (Stufe A: 1,60 Euro).

Das Ja des Stadtrats zu einem Sozialticket findet Hartosch gut. Inhaber des Fürth-Passes für Bedürftige sollen ab 2021 in Tarifstufe B ab 9 Uhr für 13 Euro im Monat öffentliche Verkehrsmittel nutzen können. Das 365-Euro-Ticket soll nach dem Willen des Stadtrats nur kommen, wenn Bund und/oder Freistaat die Kosten zu zwei Dritteln übernehmen.

Schmidt findet, dass Senioren mit ihrer Arbeit, ihrer Kindererziehung und ihren Steuerzahlungen ihren Teil zum Gemeinwohl beigetragen haben. „Wir sollten dafür sorgen, dass sie in Würde alt sein können.“ Sie und Hartosch wollen der Vereinsamung älterer Leute vorbeugen.

Der Fürther Seniorenrat und die Landesseniorenvertretung pochen schon lange auf günstige Einzeltickets. Auch Langenzenns Seniorenratsvorsitzender Hans Klinner mahnte kürzlich wieder, für Gelegenheitsnutzer des ÖPNV fehle ein günstiges Ticket ohne Ausschlusszeit. Sein Gremium sieht die Bevölkerung auf dem Land benachteiligt und wünscht ein Tagesticket für fünf Euro.

In Fürths seniorenpolitischem Gesamtkonzept ist die Forderung nach dem billigeren Einzelfahrschein verankert. Einen entsprechenden Antrag aber lehnte die Stadtverwaltung 2019 ab. Infra-Sprecherin Kerstin Sammet verweist nun auf das „sehr preisgünstige“ 9-Uhr-Jahresabo (Stufe B, 27 Euro im Monat) sowie die Zuständigkeit von Stadtrat und VGN. Und sie betont: Die Stadt müsste eine Vergünstigung auf lokaler Ebene finanziell ausgleichen, die wegfallenden Einnahmen müssten kompensiert werden.

Oberbürgermeister Thomas Jung („Wir müssen den Nahverkehr immer weiter vergünstigen“) findet das Anliegen der Senioren „berechtigt“, weist aber darauf hin, dass Fürth als Teil des Verkehrsverbunds keinen Sonderweg gehen könne. Nichtsdestotrotz werde die Forderung in die Arbeit an der neuen Tarifstruktur eingebracht.

Zugleich erneuert der OB ein Argument, das er schon einmal gegen Gratis- Fahrten für Senioren vorbrachte: Es gebe gut betuchte Beamte in Pension. Wieso sollten sie bezuschusst werden, Alleinerziehende aber nicht? Hartosch entgegnet, sie vertrete zwar die Interessen der Senioren, würde sich aber über Vergünstigungen für alle Altersgruppen freuen.

 


Busfahrten sind für Gelegenheitsnutzer (unser Bild entstand vor der Corona-Zeit) zu teuer, findet der Fürther Seniorenrat und pocht auf billigere Einzelfahrscheine. 


Foto: Hans- Joachim Winckler


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Termine für Senioren

Der Seniorenrat hilft Menschen über 60 Jahren, die keinen Internetzugang haben und online 

einen Termin beim Bürgeramt vereinbaren möchten. Viele Bürger kommen trotz mehrerer Versuche 

nicht zur telefonischen Terminvereinbarung durch. Daher bietet der Seniorenrat diesen Service 

während der Sprechstunden in seinem Büro, Königstr. 86, Zi.Nr. 005, dienstags und donnerstags 

zwischen 9 und 12 Uhr an. Zutritt ist stets nur einer Person (mit Mundschutz) gestattet. 

Das Angebot ist umsonst.


    FN 15.08.20



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